Bei einer Amputationsverletzung gilt zuerst der Mensch: starke Blutung stillen (Druckverband, notfalls Tourniquet), Notruf 112, Schock vorbeugen. Das Amputat wird keimarm und trocken verpackt und indirekt gekühlt (nicht direkt auf Eis) – und immer mit in die Klinik genommen.
Kurz gefasst
- Zuerst der Mensch: Blutung stillen, Notruf 112, Schock beachten
- Druckverband, bei lebensbedrohlicher Blutung ggf. Tourniquet
- Amputat: keimarm/trocken einpacken, NICHT säubern
- Indirekt kühlen: Beutel in kaltes Wasser mit Eis – nie direkt auf Eis
- Amputat immer mitnehmen zur (Replantations-)Klinik
Erst die verletzte Person
Die Blutstillung hat Vorrang: Wunde mit keimarmer Auflage abdecken und einen Druckverband anlegen; die betroffene Gliedmaße hochhalten. Bei lebensbedrohlicher, nicht beherrschbarer Blutung an Arm oder Bein kann ein Tourniquet (Abbindesystem) nötig sein. Immer Notruf 112, die Person flach lagern, beruhigen und vor Auskühlung schützen (Schockgefahr).
Das Amputat richtig versorgen
Das abgetrennte Körperteil wird nicht gereinigt und nicht desinfiziert. Es kommt trocken und keimarm in einen sauberen Beutel (idealerweise ein Amputatbeutel aus dem Verbandkasten). Dieser Beutel wird in einen zweiten Beutel mit kaltem Wasser und Eiswürfeln gelegt – so wird das Amputat gekühlt, ohne zu erfrieren.
Warum nicht direkt auf Eis?
Direkter Eiskontakt oder Wasser schädigt das Gewebe und mindert die Chance auf eine Replantation. Die indirekte Kühlung (Beutel-im-Beutel) hält das Teil vital, ohne Erfrierungen zu verursachen.
Ab in die Klinik
Das Amputat wird immer mitgenommen – auch bei scheinbar zerstörten Teilen entscheidet das die Klinik. Der Rettungsdienst bringt die Person in eine geeignete Fachklinik (Replantationszentrum). Zeit ist wichtig, aber die richtige Lagerung verlängert das Zeitfenster deutlich.
Häufige Fragen
Was ist bei einer Amputationsverletzung zuerst zu tun?
Die starke Blutung stillen (Druckverband, notfalls Tourniquet), Notruf 112, die Person flach lagern, beruhigen und vor Auskühlung schützen. Der Mensch hat Vorrang vor dem Amputat.
Wie lagert man einen abgetrennten Finger?
Trocken und keimarm in einen sauberen Beutel geben, diesen in einen zweiten Beutel mit kaltem Wasser und Eis legen. So wird indirekt gekühlt, ohne dass das Gewebe erfriert.
Darf das Amputat direkt auf Eis gelegt werden?
Nein. Direkter Eis- oder Wasserkontakt schädigt das Gewebe. Nur indirekt kühlen (Beutel im Beutel), damit eine Replantation möglich bleibt.
Nimmt man auch scheinbar zerstörte Teile mit?
Ja. Das Amputat wird immer mitgenommen – ob es verwendet werden kann, entscheidet die Fachklinik.
Offizielle Quellen: Leitlinien des European Resuscitation Council (ERC) und des Deutschen Rats für Wiederbelebung (GRC) · DGUV-Informationen zur betrieblichen Ersten Hilfe. Stand: 2026. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechts- oder medizinische Beratung; verbindlich sind die jeweils geltenden Vorschriften und Leitlinien.

