Bei einer Anaphylaxie – der schwersten Form der allergischen Reaktion – kann sich der Zustand innerhalb von Minuten dramatisch verschlechtern. Betroffene mit bekannter Allergie tragen deshalb oft ein Notfallset mit einem Adrenalin-Autoinjektor bei sich. Ersthelfer dürfen und sollen bei der Anwendung helfen, wenn die betroffene Person es selbst nicht mehr kann. Grundlage sind die Erste-Hilfe- und Anaphylaxie-Leitlinien (ERC, AWMF).
Kurz gefasst
- Wann: bei Anaphylaxie – Atemnot, Schwellung im Rachen, Kreislaufreaktion
- Wohin: in den äußeren Oberschenkelmuskel, notfalls durch die Kleidung
- Immer: zusätzlich Notruf 112 – der Injektor ersetzt keinen Rettungsdienst
- Danach: flach lagern, Beine hoch; bei Atemnot Oberkörper hoch
- Wiederholung: nach ärztlicher Anweisung ggf. zweite Dosis nach 5–15 Minuten
Wann kommt der Autoinjektor zum Einsatz?
Wenn nach Kontakt mit einem Allergen (Insektenstich, Nahrungsmittel, Medikament) schwere Zeichen auftreten:
- Atemnot, pfeifende Atmung, Engegefühl im Hals,
- Schwellung von Lippen, Zunge oder Rachen,
- Kreislaufreaktion: Blässe, Schwindel, Kollaps,
- ausgeprägte Hautreaktion zusammen mit einem der obigen Zeichen.
Im Zweifel gilt: lieber früh anwenden als zu spät – eine unnötige Gabe ist weit weniger gefährlich als eine verzögerte.
Schritt für Schritt
- Notruf 112 absetzen (oder absetzen lassen).
- Injektor aus der Hülle nehmen, Sicherheitskappe abziehen.
- Fest gegen die Außenseite des Oberschenkels drücken, bis es klickt – das geht auch durch die Kleidung.
- Je nach Präparat einige Sekunden gedrückt halten (Herstellerangabe beachten), dann herausziehen.
- Einstichstelle kurz massieren, Uhrzeit merken, Injektor dem Rettungsdienst übergeben.
Lagerung und richtige Position
Nach der Gabe: Person flach lagern und die Beine hochlegen (Kreislauf). Bei Atemnot dagegen den Oberkörper erhöht lagern; bei Bewusstlosigkeit mit normaler Atmung die stabile Seitenlage. Nie allein lassen, Atmung fortlaufend kontrollieren, bei Atemstillstand sofort Wiederbelebung.
Im Betrieb, in Kita und Schule
Ist bei Beschäftigten oder Kindern eine schwere Allergie bekannt, sollten Aufbewahrungsort und Anwendung allen relevanten Personen bekannt sein. Ein kurzer, wiederkehrender Hinweis in der Unterweisung nimmt im Ernstfall die Hemmschwelle. Das ist Teil einer gut organisierten Ersten Hilfe.
Häufige Fragen
Darf ich als Ersthelfer den Autoinjektor anwenden?
Ja. Wenn die betroffene Person es selbst nicht mehr kann, dürfen und sollen Ersthelfer bei der Anwendung des mitgeführten Notfallsets helfen – im Rahmen der Ersten Hilfe.
Wohin wird gespritzt?
In den äußeren Oberschenkelmuskel – notfalls durch die Kleidung. Andere Stellen sind nicht vorgesehen.
Reicht der Autoinjektor allein?
Nein. Immer zusätzlich den Notruf 112 wählen. Auch bei Besserung ist eine ärztliche Überwachung nötig, weil die Reaktion erneut auftreten kann.
Was, wenn ich mich irre und es keine Anaphylaxie war?
Eine unnötige Gabe ist deutlich weniger gefährlich als eine zu späte. Im Zweifel früh anwenden und den Rettungsdienst rufen.
Offizielle Quellen: Reanimations- und Erste-Hilfe-Leitlinien des European Resuscitation Council (ERC) · AWMF-Leitlinie Akuttherapie und Management der Anaphylaxie · gemeinsame Empfehlungen zur Ersten Hilfe (BAGEH/DGUV). Stand: 2026. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung; verbindlich ist die jeweils geltende Vorschrift.

