Bei einer Überzuckerung (Hyperglykämie) ist der Blutzucker stark erhöht – meist bei Menschen mit Diabetes, etwa durch zu wenig Insulin, Infekte oder Diätfehler. Im Unterschied zur Unterzuckerung, die plötzlich auftritt, entwickelt sich eine Überzuckerung langsam. Unbehandelt kann sie zu einer schweren Entgleisung bis zum diabetischen Koma führen. Für die Erste Hilfe zählt vor allem, die Verschlechterung zu erkennen und rechtzeitig den Rettungsdienst zu rufen.
Kurz gefasst
- Was: stark erhöhter Blutzucker (Hyperglykämie) bei Diabetes
- Zeichen: starker Durst, häufiges Wasserlassen, Müdigkeit, Übelkeit
- Später: tiefe Atmung, azetonartiger Atemgeruch, Bewusstseinstrübung
- Verlauf: langsam über Stunden bis Tage (nicht plötzlich)
- Erste Hilfe: beruhigen, bei Verschlechterung 112, Bewusstlosigkeit → stabile Seitenlage
Woran erkennt man eine Überzuckerung?
Typische, sich langsam steigernde Zeichen sind:
- Starker Durst und trockene Haut/Schleimhäute,
- häufiges Wasserlassen,
- Müdigkeit, Schwäche, Konzentrationsprobleme,
- Übelkeit, Bauchschmerzen,
- im weiteren Verlauf tiefe, beschleunigte Atmung und ein azetonartiger (obstartiger) Atemgeruch,
- bis hin zu Bewusstseinstrübung und Bewusstlosigkeit.
Unterzuckerung oder Überzuckerung?
Für Laien ist die Unterscheidung im Notfall schwer – und sie ist auch nicht entscheidend. Die Unterzuckerung kommt plötzlich: Zittern, Schwitzen, Heißhunger, Unruhe, Verwirrtheit. Die Überzuckerung kommt langsam mit Durst und Müdigkeit. Wichtig: Ist die Person ansprechbar und besteht Unsicherheit, darf im Zweifel etwas Zuckerhaltiges gegeben werden – bei einer Unterzuckerung ist das lebensrettend, bei einer Überzuckerung richtet die kleine Menge keinen relevanten Schaden an.
Was tun? Erste-Hilfe-Schritte
Ist die Person ansprechbar: beruhigen, hinsetzen oder hinlegen lassen und nichts überstürzen. Bekannte Diabetiker:innen wissen oft selbst, was zu tun ist (Blutzucker messen, Insulin). Bei anhaltend schlechtem Zustand, zunehmender Schläfrigkeit, tiefer Atmung oder Erbrechen: Notruf 112.
Ist die Person bewusstlos und atmet normal: in die stabile Seitenlage bringen, 112 rufen und die Atmung überwachen. Niemals einer bewusstlosen Person etwas einflößen – Erstickungsgefahr. Fehlt eine normale Atmung: sofort mit der Wiederbelebung beginnen.
Wann ist es ein Notfall?
Rufen Sie den Rettungsdienst bei Bewusstseinstrübung, tiefer Atmung, Azetongeruch, wiederholtem Erbrechen oder wenn sich der Zustand trotz bekannter Maßnahmen verschlechtert. Diese Zeichen können auf eine diabetische Ketoazidose hindeuten – ein lebensbedrohlicher Zustand, der in die Klinik gehört.
Häufige Fragen
Wie unterscheidet sich Überzuckerung von Unterzuckerung?
Die Unterzuckerung kommt plötzlich (Zittern, Schwitzen, Heißhunger), die Überzuckerung langsam über Stunden bis Tage (Durst, häufiges Wasserlassen, Müdigkeit).
Soll ich im Zweifel Zucker geben?
Bei einer ansprechbaren Person: ja. Bei einer Unterzuckerung ist Zucker lebensrettend, bei einer Überzuckerung richtet die kleine Menge keinen relevanten Schaden an. Bewusstlosen niemals etwas einflößen.
Wann muss ich den Notruf wählen?
Bei Bewusstseinstrübung, tiefer Atmung, azetonartigem Atemgeruch, wiederholtem Erbrechen oder wenn sich der Zustand verschlechtert – dann 112.
Was ist eine diabetische Ketoazidose?
Eine schwere Stoffwechselentgleisung bei starkem Insulinmangel mit tiefer Atmung und Azetongeruch. Sie ist lebensbedrohlich und gehört sofort in ärztliche Behandlung.
Offizielle Quellen: Reanimations- und Erste-Hilfe-Leitlinien des European Resuscitation Council (ERC) · Nationale VersorgungsLeitlinie Typ-2-Diabetes (AWMF) · gemeinsame Empfehlungen zur Ersten Hilfe (BAGEH/DGUV). Stand: 2026. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung; verbindlich ist die jeweils geltende Vorschrift.

