Bewusstlosigkeit ist ein lebensbedrohlicher Zustand: Die Person ist nicht erweckbar, Schutzreflexe wie Husten und Schlucken fallen aus. Die größte Gefahr ist die Verlegung der Atemwege – durch die zurücksinkende Zunge oder durch Erbrochenes. Das Vorgehen folgt einem klaren, einfachen Schema, das jeder Ersthelfer beherrschen kann. Grundlage sind die Reanimationsleitlinien des European Resuscitation Council (ERC).
Kurz gefasst
- Sofort prüfen: Reagiert die Person auf Ansprechen und Anfassen?
- Dann: Atemwege freimachen und Atmung 10 Sekunden prüfen
- Atmung normal: stabile Seitenlage + Notruf 112
- Keine normale Atmung: sofort Wiederbelebung (30:2)
- Immer: 112 rufen und bis zum Rettungsdienst überwachen
Schritt 1: Bewusstsein prüfen
Sprechen Sie die Person laut an und rütteln Sie vorsichtig an den Schultern. Reagiert sie nicht – öffnet die Augen nicht, spricht nicht, bewegt sich nicht –, gilt sie als bewusstlos. Rufen Sie um Hilfe, damit weitere Personen unterstützen und den Notruf absetzen können.
Schritt 2: Atemwege freimachen und Atmung prüfen
Kopf vorsichtig überstrecken und Kinn anheben – dadurch hebt sich die Zunge vom Rachen. Prüfen Sie jetzt maximal 10 Sekunden, ob eine normale Atmung vorhanden ist: Heben und Senken des Brustkorbs sehen, Atemgeräusch hören, Luftstrom an der Wange fühlen. Schnappatmung (einzelne, ringende Atemzüge) ist keine normale Atmung – sie ist ein Alarmzeichen für einen Kreislaufstillstand.
Schritt 3a: Atmung normal → stabile Seitenlage
Atmet die Person normal, bringen Sie sie in die stabile Seitenlage. So bleibt der Kopf tiefster Punkt, Erbrochenes und Speichel können abfließen und die Atemwege bleiben frei. Rufen Sie den Notruf 112 und kontrollieren Sie fortlaufend die Atmung, bis der Rettungsdienst eintrifft. Verschlechtert sie sich, sofort mit der Wiederbelebung beginnen.
Schritt 3b: Keine normale Atmung → Wiederbelebung
Fehlt eine normale Atmung, liegt ein Kreislaufstillstand vor. Setzen Sie sofort den Notruf 112 ab (idealerweise per Freisprechen) und beginnen Sie die Herz-Lungen-Wiederbelebung: 30 Herzdruckmassagen (Mitte des Brustkorbs, 5–6 cm tief, 100–120/min) im Wechsel mit 2 Beatmungen. Sobald ein AED verfügbar ist, einschalten und den Ansagen folgen. Nicht aufhören, bis Fachpersonal übernimmt.
Mögliche Ursachen
Bewusstlosigkeit hat viele Ursachen – etwa Sauerstoffmangel, Unterzuckerung, Vergiftung, Schlaganfall, schwere Verletzungen oder Herz-Kreislauf-Ereignisse. Für die Erste Hilfe ist die Ursache zunächst zweitrangig: Entscheidend sind das Freihalten der Atemwege, die Kontrolle der Atmung und der schnelle Notruf. Die Klärung der Ursache übernimmt der Rettungsdienst.
Abgrenzung: kurze Ohnmacht
Eine Ohnmacht (Synkope) ist eine kurze, vorübergehende Bewusstlosigkeit durch eine kurzfristige Minderdurchblutung des Gehirns – die Person kommt meist innerhalb von Sekunden von selbst wieder zu sich. Bleibt jemand jedoch länger bewusstlos oder atmet nicht normal, gilt immer das oben beschriebene Notfallschema.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich Bewusstlosigkeit?
Die Person reagiert nicht auf lautes Ansprechen und vorsichtiges Rütteln an den Schultern – sie öffnet die Augen nicht, spricht nicht und bewegt sich nicht.
Stabile Seitenlage oder Wiederbelebung?
Atmet die bewusstlose Person normal, kommt sie in die stabile Seitenlage. Fehlt eine normale Atmung, wird sofort mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung begonnen.
Ist Schnappatmung normale Atmung?
Nein. Einzelne, ringende Schnappatemzüge sind ein Alarmzeichen für einen Kreislaufstillstand – dann sofort mit der Wiederbelebung beginnen.
Was ist der Unterschied zur Ohnmacht?
Eine Ohnmacht (Synkope) ist eine kurze Bewusstlosigkeit, aus der die Person meist von selbst rasch wieder erwacht. Anhaltende Bewusstlosigkeit ist ein Notfall nach dem beschriebenen Schema.
Offizielle Quellen: Reanimationsleitlinien des European Resuscitation Council (ERC) 2021 · Deutscher Rat für Wiederbelebung (GRC) · gemeinsame Empfehlungen zur Ersten Hilfe (BAGEH/DGUV). Stand: 2026. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung; verbindlich ist die jeweils geltende Vorschrift.

